Messanlage
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Auszug aus dem
Nachrichtenblatt "HOLT FAST" Dezember 1998
150 Jahre Stackmeisterei Bunthaus (7. Folge)
geschrieben vom ehemaligen Stackmeister Hr. Mittendorf
Wassermengenmessung
Im 3. Köhlbrandvertrag vom 13. 11. 1908 wurde das Ziel der Regulierungsarbeiten mit dem Bunthäuser Leitdamm mit einer gleichmäßigen Teilung der abfließenden Wassermenge festgelegt. Bei Nichterreichen des Ziels sollten Folgemaßnahmen ergriffen werden, und zwar, wenn die Wassermengen sich um mehr als 5 % verschieben würden. Das Ziel ist bis heute nicht erreicht worden, die Norderelbe lag im Mittel bei 45 % und die Süderelbe bei 55 %. Das lag im wesentlichen an der kürzeren und tieferen Süderelbe (Zufahrt zu den Seehäfen). Folgemaßnahmen, wie z.B. die Änderung der Regulierungslinien oberhalb der Bunthäuser Spitze, sind nicht ergriffen worden, obwohl es einen Plan dafür gibt .
Weiter ist im Köhlbrandvertrag vereinbart worden, daß jeder der beiden Staaten Preußen und Hamburg das Recht hat, sich an den von dem anderen vorzunehmenden Wassermengenmessungen durch einen Baubeamten zu beteiligen. Hamburg hatte mit ziemlicher Regelmäßigkeit ausgenommen die Kriegsjahre die Messungen in jedem Jahr durchgeführt. Ob jemals ein preußischer Baubeamter daran teilgenommen hat, war nicht zu ermitteln.
Der gebräuchliche Begriff "Wassermengenmessung" ist nicht richtig. Gemessen wurden in Bunthaus die jeweiligen Fließgeschwindigkeiten. Mit den gepeilten Querschnitten der Norder- und Süderelbe konnten dann die durchströmten Wassermengen errechnet werden.
Die Fließgeschwindigkeit wurde mit Schwimmern gemessen. Sie bestanden aus scheibenförmigen Auftriebskörpern aus Fichtenholz, an denen tonnenförmige Gewichte aus Holz mit Eiseneinlage hingen. Der Abstand zwischen Auftriebskörpern und Gewichten sollte 3/5 der Wassertiefe betragen und wurde ständig angepaßt. Aufgabe des Gewichtes war es, die Einflüsse durch Wind und Wellen auf den Auftriebskörper zu vermeiden.

Die Lage und der Abstand der Elbprofile, sowie die Lage der Boote und der Schwimmbahnen sind in dem Plan (Bild 62) angegeben. In der Norderelbe wurde in Strommitte der Abstand der Boote auf 50 m vergrößert, um die Schiffahrt nicht zu behindern. Alle 15 Minuten wurde auf Kommando aus jedem Boot ein Schwimmer ins Wasser gesetzt. An jedem Profil standen auf beiden Ufern sog. "Durchrufer", die jeweils 3 Schwimmer zu beobachten hatten. Weiter saß an jedem Ufer ein Mann mit 3 Stoppuhren. Wenn die nummerierten Schwimmer die Profillinie passierten, kam das Kommando "Nummer 1 durch!", wobei die entsprechende Stoppuhr gedrückt wurde. Waren die 40 in durchschwommen, erfolgte wieder das Kommando "Nummer 1 durch!" und die Stoppuhr wurde angehalten. Eine Barkasse fischte die Schwimmer auf und brachte sie wieder zu den Booten. An Norder und Süderelbe stand je ein Pegelableser, der den Pegelstand für jeden Meßvorgang festhielt.
Für die Messung waren insgesamt 12 Boote, 4 Barkassen und 60 Mann einschl. der Ablöser erforderlich. Er dauerte einschl. Aufund Abbau von morgens 4.oo Uhr bis abends 21.oo Uhr. Die Leitung lag beim Leiter des wasserkundlichen Meßdienstes. Den größten Teil des Personals und der Fahrzeuge stellte die Stackmeisterei. Trotz der langen Arbeitszeit waren die Wassermengenmessungen bei den Leuten beliebt. Das Hauptmotiv waren die bezahlten Überstunden, aber auch die leichte Arbeit, die Pausen mit Klönschnack und Kartenspiel und die gute Versorgung mit Essen und Trinken trugen dazu bei.

Die letzte Messung dieser Art ist 1980 durchgeführt worden. Seit 1977
wurde versucht, mit einer Ultraschall Strömungsmeßanlage die Fließgeschwindigkeit
zu messen. Da es sich um eine Neuentwicklung handelte, dauerte es lange, bis
brauchbare Daten geliefert werden konnten. Heute ist der dritte, verbesserte
Typ der Meßanlage in Betrieb. Er liefert die gewünschten Daten.
Die großen Vorteile der Anlage gegenüber dem alten Verfahren sind:
- Aussagekräftige
Meßergebnisse vom ganzen Jahr und nicht nur von einem Tag im Jahr,
- geringere Kosten,
- die Einflüsse von Oberwasser und Wind können viel genauer erfaßt
werden.
Die Meßergebnisse werden für die Bewältigung wasserwirtschaftlicher und strombaulicher Fragen benötigt, so z.B. bei der Voruntersuchung zur Fahrrinnenanpassung oder zur Erforschung der Sedimentation im Hafen.
Die Ultraschall Strömungsmeßanlage ist eine sog. "Kreuzstreckenanlage" (Bild 63). Unter 45 Grad zur Stromachse werden unter Wasser Schallimpulse gleichzeitig stromab und stromauf ausgesendet, die am gegenüberliegenden Ufer aufgefangen und elektrisch verstärkt zurückgeworfen werden. Die Schallwellen benötigen nun, je nachdem, ob sie mit oder gegen den Strom das Wasser durchlaufen, unterschiedlich lange Zeiten. Über die Differenz dieser sehr kleinen Zeitunterschiede wird von dem Gerät die Fließgeschwindigkeit errechnet.Die Sender und Reflektoren waren anfangs in Ufernähe als eingerammte Stahlpfähle angebracht, die in dem darauffolgenden Eiswinter alle schiefgedrückt oder abgebrochen wurden (Bild 64). Danach wurden in die Deckwerke in Richtung der Kreuzstrecken Betonbalken eingelassen, auf deren Schienen die Sender bzw. Reflektoren aufgeschoben wurden. Im Vorland von Bullenhausen und von Ochsenwerder steht je eine hochwasserfreie Bühne auf einem Stahlpfahl, auf der sich in einem kleinen Schrank ein Akkumulator befindet, der den Strom für die Verstärkung der Schallwellen liefert. Die 4 Sender auf der Bunthäuser Spitze erhalten ihre Energie aus dem Netz, und zwar vom Leuchtturm her. Weiter gehen Meßkabel vom Leuchtturm bis zum Bürogebäude der Stackmeisterei, wo in einem kleinen Raum die Rechner und Anzeigegeräte stehen. Die aufwendige Verkabelung zum Bürogebäude wurde erforderlich, nachdem der Leuchtturm mehrmals mutwillig beschädigt wurde und damit die anfangs dort aufgestellten, teuren Geräte gefährdet waren.